Netzlabor

Für die Forschung und Lehre im Netzwerkbereich benötigen wir als Grundinfrastruktur ein vielseitiges Netzwerklabor. Der Lehrstuhl Technik der Rechnernetze hat für diesen Zweck zwei Netzwerklabors eingerichtet. Die in Rechnernetzen eingesetzten Technologien agieren nicht punktuell sondern immer im verteilten System. Änderungen an einzelnen Knoten wirken sich immer auf das Gesamtnetzwerk aus. Daher benötigen wir eine möglichst vielseitige Netzwerkinfrastruktur, in der wir zum einen für die Lehre viele Mechanismen und Protokolle veranschaulichen können, und zum anderen spezielle Techniken und Forschungsprojekte einbetten können. Für die Forschung stellt das Netzwerklabor die "Real-Life" Umgebung für die Forschungsprojekte dar. Von dem Netz werden die nötigen Dienste und Schnittstellen bereitgestellt.

Für eine spätere Übertragung der Forschungsprojekte in ein Produktionsnetzwerk ist eine Analyse der Interaktion mit bestehender Technologie von entscheidender Bedeutung. Es ist wichtig, das gesamte Netz bzw. die komplette Übertragungskette abzubilden. Auch für die durch Analyse oder Simulation geprägten Forschungsarbeiten ist eine Validierung der theoretischen Ergebnisse durch Messungen und Experimente im Versuchsnetzwerk relevant.

 

In Fällen, wo die Simulationskapazitäten der Netzwerklabors nicht ausreichen, ist der Lehrstuhl Technik der Rechnernetze an dem deutschlandweiten Forschungsnetzwerk German-Lab und an dem weltweiten Forschungsnetzwerk Planet-Lab beteiligt.

Die Untersuchung der Praxistauglichkeit neuer Konzepte durch prototypische Implementationen im Versuchsnetzwerk trägt in erheblichem Maße dazu bei, die Lösungsansätze durch neue erkannte Aspekte und Fragestellungen entscheidend zu verbessern. In der Lehre nutzen wir das Netzwerklabor als Versuchsumgebung für Übungen und Praktika und zur Veranschaulichung in den Vorlesungen.

Die von Architekturen und Mechanismen geprägte Kommunikationstechnik ist im Vergleich zu anderen eher analytisch geprägten Fachrichtungen für Studierende oft schwer erfassbar, weil hier abstrakte Konzepte im Vordergrund stehen. Erst im Umgang mit modernen Komponenten der Netztechnik werden Studierende den Bezug zur Anwendung dieser Konzepte herstellen können. In den Übungen und Praktika können die Studierenden durch den Umgang mit moderner Netzwerktechnik und durch eigene Konfigurationen am Netzwerk das in der Vorlesung gewonnene theoretische Wissen konkretisieren und vertiefen.

In das Netzwerklabor möchten wir mit einer möglichst geringen Ausstattung die wichtigsten Netzwerkprotokolle und -techniken integrieren. In der derzeitigen Ausbauplanung haben wir eine Reihe von Technologiebereichen vorgesehen:

  • öffentliche Weitverkehrsübertragungstechnik mit ATM. Der Lehrstuhl hat ein Weitverkehrsswitch mit Endgeräten und Management von der Firma Siemens gestiftet bekommen.
  • Protokolle im LAN und Corporate - Bereich. Mischstrukturen aus ATM- und IP-basierten Netzen sind Stand der Technik. Wir möchten mit den zum "Core" - Bereich gehörenden Geräten die meisten gängigen LAN-Protokolle repräsentieren können.
  • Endkundenanschlußtechniken und Integration des alten Telefoniedienstes ISDN. Hier möchten wir die zukünftige Endteilnehmertechnik ADSL und neue IP-Telefoniedienste mit in den Netzwerkverbund integrieren, um so eine vollständige Übertragungskette bis zum Privatkunden nachbilden zu können
  • Applikationen und Netzwerkdienste. Zur Analyse und Implementierung höherer Netzwerkprotokolle benötigen wir einige Endgeräte, die möglichst vielseitig eingerichtet werden können. Wir möchten hier die Interoperabilität der Anwendungen mit dem Netzwerk zeigen und testen können.
  • Meßtechnik. Um die geplante Netzwerktechnik analysieren und bewerten zu können, benötigen wir Netzwerkprotokollanalysatoren. Wir haben bereits einen kleineren Netzwerkanalysator beschafft, der allerdings im derzeitigen Ausbau nur an einem Punkt im Netzwerk messen kann.
  • Für das Testen und Analysieren von Protokollen in realitätsnahen Testbets beteiligen wir uns mit Netzknoten an den Forschungsnetzwerken German-Lab und Planetlab.